Hungertuch

Woher stammt der Begriff Hungertuch?

Bekannt ist die Redensart "am Hungertuch nagen". Dies meint so viel wie arm sein, Hunger leiden.

Wo liegt der Ursprung des Hungertuchs?

Um das Jahr 1000 ist die Altarverhüllung durch das sogenannte "velum templi" nachgewiesen. Bereits um das Jahr 895 ist ein gestickter Vorhang erwähnt.

In der Fastenzeit wurde das Fastenvelum aufgezogen und am Mittwoch der Karwoche zum Text der Passionsgeschichte "... und der Vorhang des Temepls riss mittendurch" abgenommen bzw. fallengelassen.

Warum wurde das Hungertuch aufgehängt?

In der Fastenzeit wurden Altar und Kreuz bzw. der gesamte Altarraum mit großen Tüchern verdeckt, sodass die Sicht auf das Geschehen am Altar unmöglich war. Vermutlich geht dieser Brauch auf die Bußdisziplin der frühen Kirche zurück. Als äußeres Zeichen der Buße verzichtete man auf die sichtbare Teilnahme am Gottesdienst, das auch als "Fasten der Augen" bezeichnet wurde.

Eine weitere Deutung ist, dass in der Leidenszeit die Gottheit Jesu verhüllt bleibt, worauf die Verhüllung des Altars hinweisen soll. Das Hungertuch lässt sich so aus dem Symbolcharakter von Verhüllung und Enthüllung verstehen.

Welche Bilder trugen die Hungertücher?

Ursprünglich waren die Tücher schmucklos, wurden aber bald mit reichem Bildwerk bemalt. Ab dem 12. Jahrhundert weisen sie immer häufiger Bildmotive aus der Heilsgeschichte des Alten und Neuen Testaments auf. Der eigentliche Verhüllungszweck ging dadurch verloren.

Die biblischen Darstellungen des Heilsgeschehen auf den Hungertüchern sollen den Gläubigen als katechetische Unterweisung dienen und den Zugang zum Mysterium des Glaubens auf anschauliche Weise ermöglichen. Da in der Zeit des späten Mittelalters die wenigsten Menschen lesen und schreiben konnten, lehren die Hungertücher auf ihre Weise die Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zur Wiederkunft Christi.

Seit wann gibt es die neuzeitlichen Hungertücher?

Im Jahr 1976 hat das bischöfliche Hilfswerk Misereor den fast vergessenen Brauch des Hungertuchs aufgegriffen. Die geleistete Entwicklungshilfe sollte nicht als "finanzielle Einbahnstraße" verstanden werden, sondern als partnerschaftlicher Austausch von Impulsen. Deshalb sind es Künstler aus allen Kontinenten, die die Misereor-Hungertücher seither malen.

Bei den neuen Hungertüchern sollte aber nicht die Verhüllungstradition aufgegriffen werden, sondern an die didaktisch-katechetische Funktion angeknüpft werden.

Was möchten die Hungertücher von Misereor bewirken?

Die Misereor-Hungertücher wollen, von Christen aus Afrika, Asien und Lateinamerika gemalt, eine Begegnung mit dem Leben und Glauben von Menschen und Christen anderer Kulturen ermöglichen. Sie interpretieren die Verkündigung Jesu sowie die Botschaft seines Todes und seiner Auferstehung aus den unterschiedlichen Lebens- und Glaubenswirklichkeiten der Künstler heraus. Die Hungertücher werden so zu Schaubildern des Glaubens.

Wie oft erscheinen die Misereor-Hungertücher?

Das bischöfliche Hilfswerk gibt seit 1976 alle zwei Jahre ein neues Hungertuch heraus. Eine Übersicht der Hungertücher finden Sie unter www.hungertuch.de.

Was ist eine Hungertuchwallfahrt?

Seit 1986 machen sich Wallfahrer vor Beginn der Fastenzeit mit dem Misereor-Hungertuch auf den Weg und tragen es zum Eröffnungsort der Fastenaktion.

Quelle und weitere Informationen: www.hungertuch.de